English version


Der Westernaraber



Exterieur & Interieur - Vorraussetungen für Leistung

"The shallow believe in luck, the strong believe in cause and effect"


Soll ein Araber hohe Leistung in Performance Klassen bringen, sollten Vor- und Nachteile des Exterieurs und Interieurs Crown Annieim Hinblick auf verschiedene Reitanforderungen beurteilt werden, idealerweise vor dem Pferdekauf oder der Deckhengstwahl.
Es obliegt dem Besitzer oder Trainer, die Möglichkeiten des einzelnen Pferdes einzuschätzen - bevor er Leistungsanforderungen stellt. Ist das Pferd physisch überhaupt in der Lage die Manöver auszuführen die von ihm verlangt werden ? "Form to function" - Ein funktionelles Gebäude ist ein Zusammenspiel von Ursache und Wirkung und Grundvorraussetzung für athletische Hochleistungen - Ralph Waldo Emerson schrieb einmal:
"The shallow believe in luck, the strong believe in cause and effect | Die Schwachen glauben an Glück, die Starken glauben an Ursache und Wirklichkeit"

Für die Verwendungsfähigkeit zum Reitpferd werden etwas andere Kriterien zu Rate gezogen als bei der Prämierung von typvollem Zuchtmaterial in Schau-Klassen.
Geht es um ein Reitpferd zum Ausreiten und der Arbeit in der Bahn sowie der gelegentlichen Teilnahme an einem Einsteigerturnier kann man in manchen Punkten nachsichtig sein, wird jedoch eine ernsthafte Turnierkarriere angestrebt, sollte man sehr streng sein.

Crown Annie
(Crown Musc+ x LF Omega Rose)

Region 10 Reining Champion Open
im Besitz von Eleanor Hamilton, USA

Physische Faktoren

Ein korrektes Gebäude ist die Grundvorraussetzung für sportliche Hochleistungen.

Der ideale Western-Araber verfügt über eine gute Größe (er sollte nicht zu klein sein) und ein kräftiges Fundament. Die Brust sollte eine gute Tiefe haben, zu schmalbrüstige Pferde sollte man eher meiden da sie oftmals schlecht ausbalanziert sind. Ein Pferd, das sich durch eine ausgewogene Proportion seiner Körperteile zueinander in einer anatomischen Balance befindet. Das bedeutet, wesentliche Partien des Pferdes - Hinterhand, Mittelhand, Vorhand - stehen in einem ausgewogenen Verhältnis zueinander. Genauer betrachtet, ergänzen sich Kruppe, Rücken, Schulter und Hals in Form, Stellung und Größe zu einer harmonischen Einheit. Die Winkelung der Gliedmaßen findet ihre gegenseitige Entsprechung, so daß die Schräge der Kruppe und die Schräge der Schulter mit der Ober- und Unterlinie etwa der geometrischen Form eines gleichschenkeligen Trapezes entsprechen - ein korrektes Trapez bedeutet schlicht und einfach Balance. Mir ist völlig klar, daß diese Winkelung bei Arabischen Pferden häufig steiler vorzufinden ist als vergleichsweise bei Quarterhorses. Das allein ist kein Nachteil! Nur eine Kombination einer langen Schulter zu einer steilen Kruppe (oder umgekehrt) erschwert die Balance des Pferdes.

Ebenso verhält es sich mit der Fesselung: Länge und Winkelung einer Linie durch Hufgelenk, Krongelenk und Fesselgelenk sollten an Vor- und Hinterhand zueinander passen. Die korrekte Stellung der Gliedmaßen im Sinne der klassischen Beurteilung von Reitpferden findet selbstverständlich auch hier ihre Anwendung.




Dieses Pferd hat eine gute Schulter, viel Gurttiefe, einen guten Widerrist und
einen kurzen Rücken.


Die vordere Schräge Linie vom Schulterpunkt zum Widerrist ist ein Hinweis auf den Speed und die Ausdauer.
Die Linie vom hintersten zum höchsten Punkt der Kruppe ist ein Hinweis auf die Kraft eines Pferdes.
Der Schlüssel zu diesem Trapez ist die untere Länge - je länger sie ist, desto besser.





Schulter und Widerrist

Die Schulterstellung wird vom Widerrist zum vordersten Punkt der Schulter und von dort zum Ellbogen gemessen. Der Grad der Winkelung bestimmt die Reichweite der Bewegung in den Vorderbeinen und somit auch die Länge des Schrittes.
Eine schräge oder gutgewinkelte Schulter erlaubt dem Pferd einen guten Raumgriff. Steile Schultern erlauben einem Pferd nicht viel Raumgriff. Ein Pferd mit steiler Schulter ist außerdem sehr unbequem zu reiten, weil es mit harten Stößen am Boden auffußt. So gebaute Pferde sind keine guten Beweger.
Ohne einen langen, fließenden Raumgriff kann ein Pferd in der Bewegung kein schönes Bild abgeben.

Ein guter Widerrist ist für ein Leistungspferd wichtig, denn der Schwerpunkt eines Pferde liegt in diesem Bereich. Niedrige Widerriste bringen den Schwerpunkt eines Pferdes zu weit nach vorne. Das Pferd fühlt sich an, als ob es bergab läuft, es kann sein Frontende nicht so gut anheben. Ein guter Widerrist hilft außerdem, den Sattel
in Position zu halten.

Ein Pferd mit langer, schräger Schulter und hohem Widerrist hat meistens viel Gurttife. Je mehr Gurttife, desto größer die Kapazität der Lunge und desto mehr Ausdauer wird das Pferd haben da es mehr Luft bekommt.

Vielleicht noch kurz etwas zum Hals: der ideale Hals hat von den Ohren bis zum Widerrist etwa dieselbe Länge wie der Rücken, die Schulter und die Hüfte des Pferdes - auch hier findet sich die Ideale in den Trapez-Maßen wieder. Weise Hals- und Rückenlänge inetwa nicht die gleiche Länge auf ist das Pferd horizontal unausbalanziert.
Ein guter Hals sollte weiters schlank und durch eine klar ausgeschnittene Kehle am Kopf angesetzt sein. "Klar" bedeutet daß der Hals nicht dick oder fleischig aussieht, da sonst das Pferd beim Abkippen im Genick die Luftröhre einengt und in seiner Atmung gehemmt wird..



Rücken und Lenden

Wirklich athletische Pferde haben starke Rücken und Lenden und wissen sie bei der Arbeit zu gebrauchen. Beobachten Sie ein Pferd das tief und hart stoppen kann - es macht nicht einfach nur die Sprunggelenke steif und rutscht, es bringt seine Lenden unter sich. Einem Pferd mit kurzem Rücken, starken Lenden, langer Hüfte und kurzen Röhren fällt es leicht zu stoppen. Wenn ein Pferd etwas lang im Rücken, schwach in der Lende, lang in den Röhren ist, bedeutet Stoppen schwere Arbeit und es kann ihm auch Schmerzen bereiten - folglich wird es nicht mehr stoppen wollen ......


Baikal
Beispiel für einen Vollblutaraber in idealer Stop-Manier
Man sieht hier deutlich dass auch Araber tief und mit rundem Rücken stoppen können.





Baikal
(Balaton x Kashmir v. Mirok Monpelou)

im Besitz von Markus Dünser, AUT




Hüfte und Hinterhand

Die Hinterhand hat beim Westernpferd einen hohen Stellenwert, da eine gute und kräftige Hinterhand bei vielen Manövern unumgänglich ist.
Die Hüften sollen lang und kraftvoll sein, die Sprunggelenke möglichst niedrig über dem Boden und in gerader Linie unter den Hüften. Die Kraft eines Pferdes kommt von seiner Hinterhand. Westernpferde, speziell Reining-Pferde, müssen schnell galoppieren, tief stoppen und schnell wenden - dies alles kommt aus der Hüfte.

In diesem Bereich ist der Vollblutaraber dem Quarter Horse eindeutig im Nachteil, wurde er doch lange auf eine sehr gerade und kurze Kruppe gezüchtet, die hier aber absolut unbrauchbar ist. Keine Frage, man kann diese Pferde genauso reiten, manche gehen auch nicht schlecht da sie ihre körperlichen Mängel durch einen großen Leistungswillen wettmachen. Nur zu spitzen Leistungen werden sie nie in der Lage sein.
Der Western-Araber sollte über eine lange und möglichst schräge Winkelung der Hinterhand verfügen, darüberhinaus sollte die Hinterhand möglichst tief bemuskelt sein.

IIm Galopp sollte das gute Westernpferd mit der Hinterhand unter seinen Körper springen, nicht mit den Hinterbeinen nach hinten hinaus !


Beine

Ein gutgebauter Körper ist nutzlos ohne gute Beine und Hufe, um ihn zu tragen.
Die Länge der Beine wird vom Kronrand bis zum Ellbogen gemessen und sollte die gleiche Länge haben wie die Körpertiefe, welche vom Ellbogen bis zum Widerrist gemessen wird. Pferde deren Beinlänge größer ist als die Körpertiefe sind vetikal unausbalanziert.
Die Unterarme sollen lang sein, um dem Schritt viel Raumgriff und Schwung zu geben. Sie gehen meist Hand in Hand mit langen, schrägen Schultern und mittellangen, schrägen Fesseln.
Die Fesseln sollten dieselbe Winkelung haben wie die Schulter - beides bildet die "Stoßdämpfer" des Pferdes. Steile Schultern und Fesseln können die Erschütterungen nicht so gut absorbieren, mit der Zeit kann das Pferd aufgrund der Stöße lahm gehen.
Die Röhren sollten im Verhältnis stehen zur Größe des Pferdes und im Verhältnis zum Unterarm kurz sein. Kurze Röhren sind stark und erhöhen die Stabilität eines Pferdes. Ein Pferd mit langen Röhren hingegen ist schlaksig und schlecht koordiniert.
Die Säule, die das Bein eines Pferdes darstellt, muß gerade sein wenn es unter Belastung gesund bleiben soll. Eine imaginäre Linie, vom Unterarm bis zum Huf gezogen, sollte das Bein gleichmäßig hälften. Jede andere Stelleung bedeutet, daß irgendwo ein gebäudemäßiger Fehler liegt. Wenn ein Pferd vom Karpalgelenk oder der Fessel abwärts inkorrekt ist, bringt das unnötigen Druck auf die Knochen und Gelenke.
Ein sehr schwerer Fehler ist Rückbiegigkeit - wenn man sich solche Pferde von der Seite ansieht, sind die Karpalgelenke hinter einer geraden, zum Boden fallenden Linie, als wenn sie nach hinten gebogen wären. Das bringt eine unglaubliche Belastung der Gelenke und Sehnen mit sich.
Verdrehte Karpalgelenke ("Bench Knees") sind ein anderer schlimmer Fehler - von vorne betrachtet sehen die Karpalgelenke am Bein verdreht aus, oder die Fläche des Knies ist nach einer Seite verschoben.
Pferde mit zehenenger Stellung sind ebenfalls unentschuldbar (die Vorderbeine zeigen mehr zueinander). Die Fesselköpfe müssen viel aushalten, werden stark belastet.
Pferde mit oben genannten Fehlern in der Beinsäule halten oftmals bereits leichte Arbeit nicht aus !

Diese Kriterien sollte jeder bedenken, der Performance-Araber züchten möchte oder auf der Suche nach einem Western-Araber ist.
Soll das zukünftige Fohlen mal ein Turnierpferd werden sollte man gerade bei der Auswahl des Deckhengstes darauf achten, das der Vater in spe möglichst viele der oben genannten Eigenschaften aufweist.


Die Bewegungen

Die zuvor beschriebenen Beurteilungskriterien haben alle elementare Konsequenzen auf den Bewegungsablauf des Pferdes. Der Westernaraber sollte grundsätzlich flache und weiche Bewegungen aufweisen (nicht zu viel Knieaktion), und von natur aus über den Rücken galoppieren (d.h. den Rücken aufzuwölben und sich rund zu machen). Allerdings kann je nach Einsatz in den unterschiedlichen Disziplinen kleine Unterschiede geben: ein Pleasure-Pferd sollte beispielsweise von Haus aus flachere Bewegungen zeigen als ein Pferd, das in der Reining eingesetzt wird. Letzter haben oftmals etwas dynamischere und schwungvollere Bewegungen.
Ich möchte drei Beispiele verwenden, um das Ganze zu verdeutlichen:

I.
gut - das Pferd zeigt flüssige Übergänge zwischen den Gangarten, bei denen es die Position seines Kopfes nicht wesentlich verändern muß.
schlecht - das Pferd muß seinen Kopf mit der Schulterpartie hochreißen, um z.B. in den Galopp zu kommen.

2.
gut - das Pferd tritt mit dem Hinterfuß nahe an den Huftritt des gleichseitigen Vorderfußes, im Geradeauslauf liegen die Abdrücke auf einer Schiene, auf gebogenen Linien tritt der innere Hinterfuß unter den Körperschwerpunkt.
schlecht - Das Pferd tritt hinten breiter als vorne, auf gebogenen Linien "schleudert" die Nachhand nach außen, in Wendungen bricht sie aus, aus Hinterhandwendungen werden so Mittelhandwendungen.

3.
gut - bei zunehmendem Engagement der Hinterhand kommt das Pferd in eine gewisse Aufrichtung, es tritt von hinten stärker unter und wird vorne leichter
schlecht - Mit zunehmendem Antrieb wird das Pferd vorne schwerer (auf dem Zügel), der Reiter hat das Gefühl "bergab" zu sitzen, das Pferd stößt sich nach hinten ab, anstatt unterzutreten.

Ein weiteres Problem, dass bei Arabern desöfteren auftritt ist der Kreuzgalopp. Einige Araber neigen dazu hinten umzuspringen, sobald sie nur ein wenig aus der Balance kommen. Solche Pferde sollte man möglichst meiden, sie werden immer Probleme haben (vor allem bei höherem Tempo). Diese Pferde weisen fast immer auch ein inkorrektes Gebäude auf !


Psychische Faktoren

Aber auch ein Pferd mit korrektem Gebäude muß eine gute mentale Einstellung haben, um den Körper optimal gebrauchen zu können. Das begabteste Pferd nützt mir nichts, wenn es im entscheidenen Moment nicht für mich arbeitet! Athletische Fähigkeiten müssen gepaart sein mit kooperativem Verhalten.

Grundsätzlich möchte ich sagen, daß das Arabische Pferd, ähnlich wie andere hoch im Blut stehende Rassen, den Typ des sensiblen, reaktionsschnellen Fluchttieres darstellt, meist gepaart mit hoher Intelligenz und Lernfähigkeit. Diese psychische Disposition können wir nutzen und mit ihr produktiv umgehen.